Unter­neh­mer­por­trät Wolfgang Kierdorf

Dr. Heike Jacobsen

Dr. Heike Jacobsen

» Musik und Sprache sind die Wurzeln meiner Kindheit. Ich tauchte in die Welt der Sprache, Klänge und Musik ein und fand darin meine wahre Heimat. Mit fünf Jahren lernte ich lesen und Klavier spielen. «

Dr. Heike Jacob­sen

Ansprech­part­ne­rin

Dr Heike Jacob­sen Kunstwerk.Leben

Fragen Sie mich direkt:

Oder besuchen Sie mich:

+ Kontakt­for­mu­lar





Ich habe die Daten­schutz­er­klä­rung zur Kennt­nis genom­men. Ich stimme zu, dass meine Angaben und Daten zur Beant­wor­tung meiner Anfrage elektro­nisch erhoben und gespei­chert werden. Sie können Ihre Einwil­li­gung jeder­zeit für die Zukunft per E‑Mail an info@​dr-​heike-​jacobsen.​de wider­ru­fen.

Inspi­rie­ren Sie sich und stellen Sie mir Ihre Fragen. Viel Spaß beim Lesen dieses Unter­neh­mer­por­träts!”

Wolfgang

Wolfgang Kierdorf

Gründungs­coach, Köln

„Nur ein Wort dazu: Fantas­tisch! An jeder Stelle hätte ich gerne mehr gelesen und mehr Details gehabt. Eine perfekte Leseprobe!“

Wolfgang Kierdorf, Gründungs­coach, Köln

Unter­neh­mer­por­trät Wolfgang Kierdorf

Im Media­park Köln bei Start­platz: eine Unzahl von Büroräu­men und dynami­schen Jungun­ter­neh­mern oder Mitar­bei­tern, die sich von Zeit zu Zeit an der Kaffee­ma­schine begeg­nen. Eine dunkel­haa­rige Frau erklärt einem Rotschopf ihr neustes Projekt: Online-Nachhilfe. Wolfgang Kierdorf holt mich am verwais­ten Empfang ab und bietet mir einen Cappu­cino aus dem Automa­ten an. Wir gratu­lie­ren einem älteren Herrn, der Geburts­tag hat, und gehen schwei­gend durch die langen Flure in sein winzi­ges Büro. Kein Mann des Small­talks. „Was kann ich für Sie tun?“, kommt er sofort zur Sache. An den Wänden Zettel mit motivie­ren­den Marke­ting­slo­gans und wenigen Recht­schreib­feh­lern. Ich erzähle ihm meine vage Idee. Mit wachen Augen hinter den Brillen­glä­sern regis­triert er genau, wann meine Züge ernster werden: „Wenn Sie über Bücher sprechen. Das Coaching nimmt man Ihnen nicht ab. Vielleicht kam es deshalb zu keinem Abschluss.“

Meine Geschäfts­idee gefällt ihm. Sofort klappt er den Laptop auf und verschafft sich einen groben Überblick über Konkur­renz und Markt­lage. Er rechnet mir vor, welche Honorar­vor­stel­lun­gen für Privat- und Geschäfts­kun­den in Betracht kommen. Perspek­tive: in einem Jahr einen ersten Mitar­bei­ter einstel­len. Von der Beamten­toch­ter zur Unter­neh­me­rin – mein Lebens­pro­jekt. Ich kann mir das noch nicht richtig vorstel­len. „Das kriegen wir schon hin“, meint er zum Abschluss und schenkt mir sein Arbeits­buch Wie man ein verdammt gutes Unter­neh­men gründet. Er beglei­tet mich schwei­gend zum Ausgang. Im Fahrstuhl zum Parkhaus der freund­li­che junge Mann mit dem WDR-Mikro­fon in der Hand, der mir zeigt, wo ich Geld für den Parkau­to­ma­ten wechseln kann. Das Inter­view-Geschäft wird auch meine Welt werden.

Beim nächs­ten Treffen klären wir das Geschäft­li­che. Ein Coaching­ver­trag wird unter­schrie­ben, sein Angebot, Raten zu zahlen, kommt mir sehr entge­gen. Wolfgang Kierdorf hatte einen Hörsturz, Infarkt im Innen­ohr. Zu viel Stress. Der Mann ist schnell im Kopf. Wir beschäf­ti­gen uns mit meinem Lebens­lauf. „Ich hoffe, das bedeu­tet nicht, dass Sie mir eine Selbst­stän­dig­keit nicht zutrauen“, spreche ich meine eigenen Zweifel aus. „Nein, aber solange Ihre Idee noch nicht ganz feststeht, halten wir Ihnen beide Optio­nen offen“, sagt er und streicht großzü­gig ganze Etappen aus meinem Werde­gang. Die aktuelle Situa­tion unter­füt­tert er kreativ mit Tätig­kei­ten aus meinen unzäh­li­gen Fortbil­dun­gen, das sieht jetzt ganz gut aus. „Bewer­ben Sie sich an der und der Hochschule, die suchen Dozen­ten mit akade­mi­schem Titel“, empfiehlt er mir. Mir fällt sofort ein, dass ich so gut wie keine Unter­richts­er­fah­rung habe. „Das macht gar nichts, Sie können sich das schlechte Niveau der Studen­ten dort gar nicht vorstel­len. Ich hab zehn Prozent durch­fal­len lassen, deshalb bin ich dort wieder gegan­gen“, lacht er. Ich bekomme Hausauf­ga­ben.

So setzen wir unsere Arbeit in regel­mä­ßi­gen Abstän­den fort, im Start­platz, in einem Café und auch mal per Skype, als er die Geburt seines ersten Sohns erwar­tet. Ich bin überrascht, dass wir nach keinem System vorge­hen. Wenigs­tens ist für mich keines erkenn­bar. Wolfgang Kierdorf greift auf, was ich mitbringe, geht dem nach, was von mir ausgeht, folgt Ideen­spu­ren, rennt voraus, kehrt um, nimmt mich mit, schnüf­felt im Netz und gräbt sich tiefer. Wie ein guter Hütehund. Allmäh­lich fasse ich Vertrauen, dass er das System kennt, den Überblick behält, meine neu zu gründende Existenz im Ansatz behütet. Auch wenn ich zunächst Umwege gehe, Ideen biete und wieder verwerfe, mich noch nicht festlege und nicht in die Tiefe gehe. Klar ist: Es dreht sich um Lesen, Schrei­ben, Bücher, Menschen, Reisen. Und er ermutigt mich zu schrei­ben. Sein Feedback: enthu­si­as­tisch. „ Nur ein Wort dazu: fantas­tisch! An jeder Stelle hätte ich gerne mehr gelesen und mehr Details gehabt. Eine perfekte Leseprobe!“ Das baut auf.

Vor dem Kinopo­lis in Lever­ku­sen kommt er mir schwung­voll entge­gen, einen Ausdruck meines letzten Textes in der Hand. „Das wollte ich gerade lesen“, räumt er schmun­zelnd ein. Der Mann hat viel zu tun. Der Mann nutzt jede freie Minute. Wir gehen zur Rathaus Galerie, einem großen Bau mit unzäh­li­gen Geschäf­ten auf mehre­ren Etagen. Bei Starbucks spendiert er mir einen großen Milch­café, nimmt selbst schwar­zen Café und Käseku­chen und steuert mit mir auf einen freien Tisch zu. Nein danke, ein Muffin möchte ich lieber nicht. Ich gebe zu, dass ich meinen neu gestal­te­ten Lebens­lauf nicht verschickt habe und weder Lehre­rin noch Dozen­tin oder Traine­rin sein will. Das ist wenigs­tens der aktuelle Stand, der meinem derzei­ti­gen Selbst­be­wusst­sein entspricht. „Gut, dass wir das wissen“, lacht er entspannt.

Wir sprechen über eine neue Idee, er skizziert auf einem Block sofort mögli­che Probleme der Kunden, entspre­chende Lösun­gen, stuft Dring­lich­kei­ten ab. Bisher drehten sich meine Gedan­ken krampf­haft darum, was ich kann und was ich selbst­stän­dig anbie­ten kann. Wolfgang Kierdorf eröff­net mir heute eine andere Sicht­weise: Mein Angebot darf umfas­sen­der sein als das, was ich persön­lich durch­führe. Was ich nicht kann, wird von anderen durch­ge­führt, die ich gegen Provi­sion beauf­trage. Team, Netzwerk, das ist der Gedanke, der mehr erlaubt. Wir halten ein mögli­ches Proze­dere fest. Bei jeder Begeg­nung fragt er, inzwi­schen per Du: „Ist es das immer noch, was du tun willst?“ Ohne Leiden­schaft für ein Thema kein Unter­neh­men fürs Leben.

Er selbst gründete mehrere Unter­neh­men, aufge­ge­ben hat er sie nur, wenn es ihm zu langwei­lig wurde. Als Gesprächs­part­ner zuerst gewöh­nungs­be­dürf­tig. Kein Coach, der es einem bequem macht, er fördert und fordert. Denkt beim Zuhören bereits an Lösungs­vor­schläge. Das merkt man. Es geht darum, die Sache vorwärts­zu­brin­gen. Klar, schnell, realis­tisch, strate­gisch, intel­li­gent. Als ich einmal mutlos vor ihm sitze und weine, zeigt er ein anderes Gesicht. „Was meinst du, wie viele Leute ich hier sitzen habe, die auch gezwun­gen sind, sich selbst­stän­dig zu machen, die auch in Jobsitua­tio­nen stecken, auf die kein Licht mehr fällt? Du bist nicht die Einzige. Ich kenne das.“ Und er erzählt zum ersten Mal von sich selbst, von Arbeits­lo­sig­keit, Perspek­tiv­lo­sig­keit, Existenz­angst und der Verzweif­lung, vor dem Nichts zu stehen. Auch das ist mir wichtig zu hören, macht Mut, stärkt mein Vertrauen.

Wir arbei­ten schon eine Weile zusam­men, ich habe eine Homepage, liefere ab, bleibe dran. Allmäh­lich kommen Prozesse in Gang. „Wir sind noch in der Testphase“, sagt Wolfgang Kierdorf und erklärt mir die folgen­den Phasen. Mit siche­rer Gelas­sen­heit schließt er: „Ich verspre­che dir, dass du von deiner Selbst­stän­dig­keit leben kannst, wenn du einfach nur das tust, was ich dir sage. Da musst du jetzt durch. Wir schaf­fen das schon.“ Klare Worte. Ich glaube ihm. Und mache meine Hausauf­ga­ben. Es geht weiter.

Menü