Unter­neh­mer­por­trät Sylvia Hollmann

Dr. Heike Jacobsen

Dr. Heike Jacobsen

» Musik und Sprache sind die Wurzeln meiner Kindheit. Ich tauchte in die Welt der Sprache, Klänge und Musik ein und fand darin meine wahre Heimat. Mit fünf Jahren lernte ich lesen und Klavier spielen. «

Dr. Heike Jacob­sen

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Porträt

Sylvia Hollmann

Hollmann Werbe­tech­nik, Lever­ku­sen

Unter­neh­mer­por­trät Sylvia Hollmann

Mitten in einem ruhigen Wohnge­biet in Lever­ku­sen finde ich die Gewer­be­räume von Sylvia Hollmann. Als ich einparke, steht sie bereits in der Tür und spricht beruhi­gend auf Sammy, den Hund, ein. Dass ich mein Aufnah­me­ge­rät dabei habe, ist ihr zunächst nicht angenehm. Eine Frau, die sich selbst nicht in den Vorder­grund drängt.

Hinter der Tür steht man sofort in einer der beiden Werks­hal­len und geht auf eine Hebebühne für Fahrzeuge zu. Linker und rechter Hand drei große Digital­druck- und Schneide-Maschi­nen, an den Wänden Folien­rol­len in allen Farben. In der zweiten Halle gibt es auch eine kleine Handma­schine, um T‑Shirts in gerin­ger Auflage zu bedru­cken, große Arbeits­ti­sche bieten genügend Flächen zum Kleben auf Stehhöhe. Überall Materi­al­reste, ein T‑Shirt mit einer golde­nen Krone und dem Schrift­zug „Live your life“ ist gerade fertig­ge­wor­den, Schil­der, Arbeits­pro­ben und ‑beispiele, ein Kaugummi liegt auf dem Boden. Wir bleiben neben dem Eingang in der kleinen Küche. „Oben im Büro ist es zu warm“, meint sie. Die Musik schal­tet sie aus. Eine Maschine arbei­tet im Hinter­grund weiter. Ihre Mitar­bei­ter sind gerade auf Montage. Die Wand neben dem Küchen­tisch ist mit vollflä­chi­gen, raumho­hen Bannern geschmückt, darauf Fotomo­tive aus der Natur. „So etwas setzt man für Außen­wer­bung ein“, erklärt sie. Davor ein Kissen für Sammy. Daneben auf einem Stehpult ein übergro­ßes Foto ihrer beiden Kinder. „Übermor­gen in einer Woche sitzen wir im Flieger nach Fuerte­ven­tura“, freut sie sich.

Sylvia Hollmann ist spät Mutter gewor­den, hat alles daran gesetzt, ihren Wunsch nach einer Familie zu verwirk­li­chen. Jetzt ist sie 49, ihre Kinder sind sieben und neun Jahre alt. Ursprüng­lich war sie Bankkauf­frau, bis sie vor zehn Jahren in Mutter­schutz ging. 2010 dachte sie daran, in Teilzeit zur Bank zurück­zu­ge­hen. „Ich hätte morgens um acht in Köln sein müssen. Mit zwei kleinen Kindern, einem Hund und einem selbst­stän­di­gen Ehemann war das zum Schei­tern verur­teilt. Deshalb habe ich nach 25 Jahren gekün­digt.“ Sie reibt scherz­haft beide Fäuste vor den Augen, um anzudeu­ten, wie schwer ihr das fiel. „Ich hab schon geheult, als ich in Mutter­schutz gegan­gen bin.“ Die Bestä­ti­gung, der Umgang mit den Kunden im Beratungs­ge­spräch als Kredit- und Baufi­nan­zie­rungs­be­ar­bei­te­rin, all das fehlte ihr.

Als „Vollzeit­mami“ blieb sie zunächst mit beiden Kindern zu Hause, arbei­tete ehren­amt­lich, unter­stützte ihren Mann in der Firma. Mit Maschi­nen kannte sie sich damals noch nicht aus. „Ich hab den Bürokram gemacht: Liefe­ran­ten­ein­gänge, Kunden­zah­lun­gen, Mahnwe­sen.“ Vor zwei Jahren ließ ihr Mann sich im Kranken­haus durch­che­cken: alles bestens. Zwei Wochen später starb er im Büro am Sekun­den­tod, mit 43. Er hatte die Firma aufge­baut, Maschi­nen angeschafft, ging zweimal in die Arbeits­lo­sig­keit, verklei­nerte sich, expan­dierte wieder: sein Lebens­werk, in dem Herzblut steckt. Kurzer­hand trat Sylvia Hollmann in seine Fußstap­fen und übernahm. Am nächs­ten Tag schrieb sie eine Mail an alle Kunden und infor­mierte sie offen­siv über die neue Situa­tion, entschlos­sen, mutig, verant­wor­tungs­be­wusst. Welche Unter­stüt­zung sie damals hatte? „Keine.“ Mit einer Helfe­rin biss sie sich durch, flexi­bel und willens­stark, packte zu, ging mit auf Außen­mon­ta­gen, fehlte dann im Büro, bis sie wieder einen Mitar­bei­ter einstel­len konnte. „Ich war in der Materie überhaupt nicht zu Hause und musste mir alles aneig­nen. Ich kann die Maschi­nen inzwi­schen alle bedie­nen, aber kleben kann ich selbst nicht“, gibt sie offen zu.

Die Trauer­ar­beit verschob sie. „Ich war stille Leserin in einem Trauer­fo­rum, schrieb Tagebuch, aber ich wollte mich nicht darin verlie­ren, sondern den Kindern Halt bieten können.“ Die Überbrin­ge­rin der schlech­ten Nachricht wollte sie bewusst nicht sein. Sie ließ sie am offenen Sarg Abschied nehmen, ihm Geschenke mitge­ben und erklärte ihnen, dass „der Papa die Leiter nach oben in den Himmel gegan­gen ist und auch nicht wieder runter­kom­men kann“. Durch die Arbeit in der Firma bleibt sie ihm nah, die Kinder holt sie am Nachmit­tag aus der Ganztags­schule zu sich ins Büro. Seine Schuhe stehen immer noch dort.

Jetzt ist ihre Domäne die Kunden­ak­quise und ‑betreu­ung. Das Verkau­fen liegt ihr, erst recht ohne den Druck und die zu erfül­len­den Vorga­ben, die damals in der Bank Usus wurden. Der Kontakt mit anderen Unter­neh­mer­netz­wer­ken hilft ihr, ein Großteil der Bestands­kun­den blieb, neue kamen hinzu. Plakate, Autobe­schrif­tun­gen für Autohäu­ser, Schau­fens­ter­wer­bung, Wohnhaus-Banner, Sonnen­schutz­fo­lien in Autos, Lackschutz, Schil­der – ihre Angebots­pa­lette ist breit. Für eine Arztpra­xis entwarf sie einen beschrif­te­ten Fahrrad­stän­der, gestal­tete den Schau­kas­ten, beschrif­tete die Praxis­räume und verklebte die Labor­fens­ter mit Sicht­schutz. „Da konnten wir uns so richtig ausle­ben“, lacht sie. Ihre Mitar­bei­te­rin ist Schrei­ne­rin, ihren Mitar­bei­ter kann sie auch auf Gerüs­ten oder Hebebüh­nen einset­zen. Sie selbst hat schon Schwie­rig­kei­ten, auf eine Leiter zu steigen. „Zur Not kaufe ich einen Indus­trie­klet­te­rer ein“, sagt sie. Sylvia Hollmann führt mich durch die Hallen, erklärt die Maschi­nen und Arbeits­schritte sicher und kompe­tent. Den Kunden zeigt sie Materi­al­pro­ben, empfiehlt anhand ihrer Farbfä­cher die passen­den Töne. Mit großer Exakt­heit beurteilt sie fehler­hafte Farbver­läufe im Andruck, sieht unscharfe Druckrän­der, die mir auf Anhieb nicht auffal­len. „Das können wir den Kunden so nicht ablie­fern“, sagt sie bestimmt. Sylvia Hollmann liefert Quali­tät, arbei­tet genau und struk­tu­riert.

Das Telefon klingelt. Eine Kundin bedankt sich für die gute Arbeit. „Wir haben eine Kommode verklebt und sie war von dem Ergeb­nis begeis­tert.“ Ihre Mitar­bei­ter kommen zurück und parken meinen Wagen zu. Sammy bellt. Sofort geht sie zur Tür und gibt entspre­chende Anwei­sun­gen. „Ich hätte nicht gedacht, dass es mir so viel Spaß macht, die Firma zu führen“, beurteilt sie ihre Situa­tion im Rückblick. Damals ergriff sie die Chance, aus einem Schick­sals­schlag das Beste zu machen. Aus den Fußstap­fen ihres Mannes ist sie längst heraus­ge­tre­ten. Jetzt ist sie an den Punkt gekom­men, für sich zu entschei­den, wie es weiter­geht.

Sylvia Hollmann sieht von ihrem Büro im ersten Stock durch ein Glasfens­ter auf die Werks­halle. Am Fenster kleben noch die To-do-Listen ihres Mannes. „Mehr Zeit für die Familie“, hatte er sich darauf notiert. Vier Wochen blieben ihm damals noch. „Er wollte es ändern und hat es nicht geschafft. Mir soll nicht das gleiche passie­ren. Ich weiß nicht, ob ich morgen vom Auto überfah­ren werde, aber ich kann wenigs­tens etwas dafür tun, nicht an Stress zu sterben.“

Die Lage der Zahlen und Fakten, die Bedürf­nisse der Kinder, ihr Bauch­ge­fühl und die Stimme der Vernunft gilt es abzuwä­gen. Die richtige Entschei­dung wird sie finden. Wenn sie sie nicht schon längst getrof­fen hat.

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