Biogra­fie­por­trät Kerstin Beck

Dr. Heike Jacobsen

Dr. Heike Jacobsen

» Musik und Sprache sind die Wurzeln meiner Kindheit. Ich tauchte in die Welt der Sprache, Klänge und Musik ein und fand darin meine wahre Heimat. Mit fünf Jahren lernte ich lesen und Klavier spielen. «

Dr. Heike Jacob­sen

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Porträt

Kerstin Beck

Gesund­heits­ma­na­ge­rin, Hürth

Biogra­fie­por­trät Kerstin Beck

Ich sitze im Garten von Kerstin Beck, die Vögel zwitschern, vom Balkon gegen­über gibt ein Papagei aus seinem Käfig flötende, keckernde und schrei­ende Töne von sich. Ab und zu übt er ein paar Schimpf­worte. Zwei graue Kater leisten mir Gesell­schaft im Halbschat­ten. Es ist Vormit­tag und die beiden Kinder sind noch im Kinder­gar­ten. Kerstin Beck hat Zeit. Sie ist seit einem halben Jahr arbeits­los, macht sich aber noch keine großen Sorgen, ist noch optimis­tisch. Mit 41 ist sie in einem Sonder­pro­gramm der Arbeits­agen­tur. Integrier­ter ganzheit­li­cher Ansatz zur Arbeits­ver­mitt­lung nennt sich das und bedeu­tet: Sie hat eine Ansprech­part­ne­rin, die sie auch persön­lich errei­chen und sprechen kann, ohne im Callcen­ter in der Warte­schleife zu verzwei­feln. Mit zwei kleinen Kindern ab einem gewis­sen Bildungs­ni­veau eine Teilzeit­stelle nur für den Vormit­tag zu finden ist das größte Manko. „Als Bäcke­rei­fach­ver­käu­fe­rin würde ich überall eine Teilzeit­stelle bekom­men, aber das bin ich nun mal nicht. Buchfüh­rung kann ich auch nicht, um vormit­tags im Sekre­ta­riat zu arbei­ten“, sagt sie.

Nach dem Abitur absol­vierte sie eine Ausbil­dung als Pharma­zeu­tisch-techni­sche Assis­ten­tin und merkte schnell, dass sie statt des geplan­ten Pharma­zi­e­stu­di­ums lieber etwas viel Spannen­de­res in Angriff nimmt: Anthro­po­lo­gie, Ethno­lo­gie und Publi­zis­tik. Mit Schwer­punkt Krebs­for­schung landete sie anschlie­ßend im Gesund­heits­ma­nage­ment einer priva­ten Kranken­ver­si­che­rung und studierte neben­bei noch angewandte Gesund­heits­wis­sen­schaf­ten. In einer Unter­neh­mens­be­ra­tung stieg sie zum Thema E‑Health ein. Nach drei Monaten wurde allen gekün­digt, ihr Projekt konnte sie noch abschlie­ßen, dann nahm ihr Chef sie in eine neue Firma mit. Dort war sie Produkt­ma­na­ge­rin in einem Software­un­ter­neh­men, nahm die Anfor­de­run­gen von Ärzten an ihre Praxis­soft­ware auf und gab die Daten an die Entwick­ler weiter. Leider wurde auch dieses Büro geschlos­sen. Kerstin Beck erhielt die Kündi­gung in der Eltern­zeit. „Das war auch unschön, natür­lich mit Anwalt und allem“, deutet sie an.

Als ihr Kleiner im Kinder­gar­ten war, machte sie sich auf die Suche und fand neue Arbeit. Für private Kranken­ver­si­che­run­gen beriet sie ein Jahr lang Patien­ten mit Herzin­farkt, Diabe­tes, Herzin­suf­fi­zi­enz und Asthma am Telefon. Sie sensi­bi­li­sierte sie für den Umgang mit ihrer Diagnose und erinnerte sie regel­mä­ßig an die erfor­der­li­chen Lebens­sti­län­de­run­gen. Die Kommu­ni­ka­tion im Dialog liegt ihr. Auch dieses Team ist sehr dezimiert worden.

An einer Hochschule kam sie sehr weit mit ihrer Bewer­bung, hatte dann aber doch das Nachse­hen. Sie ist breit aufge­stellt, kann vieles, ist flexi­bel und wortge­wandt, aber jemand anderer mit genau der Erfah­rung in genau dem Bereich bekam den Job. Ihr Lebens­lauf offen­bart nicht auf den ersten Blick, wo sie einzu­set­zen wäre. „Ich kann viel, kann mich in viel einar­bei­ten, aber muss auch Leute finden, die mir das zutrauen. Auf welche Jobs ich mich bewerbe? Auf die eierle­gende Wollmilch­sau.“ Sie lacht. Selten findet sie Angebote im Gesund­heits­we­sen; im Gesund­heits­ma­nage­ment planen, beraten, für Patien­ten produk­tiv sein, das wäre ihr Wunsch. „Der Kontakt mit Menschen macht mir schon Spaß“, erzählt sie. Das nächste Bewer­bungs­ge­spräch ist in ein paar Tagen.

Kerstin Beck spricht leise, vorsich­tig nähert sie sich einem Thema an, eine zurück­hal­tende Frau. Bevor sie sich bewirbt, fragt sie telefo­nisch nach. „Mich aufdrän­gen ist nicht meine Welt.“ Die Gesamt­per­spek­tive macht ihr Sorgen, befris­tete Jobs, Bewer­bun­gen alle paar Jahre in immer höherem Alter: „Ich kenne viele, die studiert haben und die jetzt Jobs machen, nach denen man besser nicht fragt.“ Wenn sie ihren Mann nicht als Mitver­die­ner im Rücken hätte? Das mag sie sich kaum vorstel­len. „Wahrschein­lich würde ich bei Aldi oder Rewe an der Kasse sitzen.“ Andere Mütter arbei­ten für Putzfrau, Kinder­mäd­chen, Autofahr­ten und behal­ten kaum etwas übrig vom Vollzeit­job, der irgend­wann nur noch Nerven kostet.

Kerstin Beck wünscht sich, dass man sich nicht am norma­len Überle­ben so aufrei­ben muss. Sie wünscht sich Unter­neh­men, die verste­hen, dass Lebens­pha­sen bestimmte Bedin­gun­gen brauchen und diese sich auch wieder verän­dern, dass Leben nicht nur auf der Mitar­bei­ter­seite Flexi­bi­li­tät verlangt: „Auf der einen Seite wird gesagt, es besteht Fachkräf­te­man­gel, auf der anderen Seite wird es nicht unter­stützt, die Leute im Unter­neh­men zu halten. Das sind alles Worthül­sen“, beschwert sie sich. „Keiner bekommt es hin, Arbeits­zeit­mo­delle zu kreieren, die an Lebens­pha­sen angepasst sind, auch für Väter, ohne dass die Karriere dann im Eimer ist. Ich möchte ja nicht auf Lebens­zeit halbtags arbei­ten und trotz­dem doch auch mal wieder den Kopf beschäf­ti­gen.“ Vor allem ärgert sie, dass man ihr mit zwei kleinen Kindern fast nur noch Hilfs­jobs zutraut. „Das Schub­la­den­den­ken ist am Leben vorbei. Es muss zumin­dest die Möglich­keit der Links- und Rechts­kur­ven geben. Man kommt für alles, was Kopfar­beit bedeu­tet, fast gar nicht mehr in Frage. Wozu hab ich denn studiert?“, fragt sie sich.

Sich selbst­stän­dig zu machen erlaubt ihre Zeit noch nicht. Aber neben­bei benäht sie Kinder-T-Shirts mit selbst entwor­fe­nen Appli­ka­tio­nen für andere Mütter aus dem Kinder­gar­ten. Ein Babyshirt mit einem aufge­näh­ten Leucht­turm gibt sie mir als Geschenk für einen gemein­sa­men Bekann­ten mit, mit Liebe zum Detail genäht, für einen kleinen Jungen in aufwän­di­ger Handar­beit gedul­dig und geschmack­voll herge­stellt. Sie zeigt mir eine neue Zeitschrift, in der es darum geht, kreativ zu werden, Achtsam­keit für sich selbst zu üben und die Komfort­zone zu verlas­sen. Vielleicht baut sie später noch mal etwas ganz Neues auf. Irland wäre ihr Traum­land.

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